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18.09.2021

Neza Yildirim wagt ein Rollstuhl-Experiment

„Seine Aufgabe ist die Beratung von politischen Gremien, Ausschüssen und der Verwaltung in allen Fragen, die behinderte Menschen betreffen, durch Anregung, Empfehlungen und Stellungnahmen“, erläuterte Yildirim die Arbeit von Rudolf Bamberger. Beispielsweise erarbeite er auch Ortspläne für Menschen mit Behinderung. Sie geben einen Überblick über das Maß der Barrierefreiheit von Banken, Behörden, Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Er besuche Cafés, Gaststätten und medizinische Einrichtungen.

„Bleibt man nicht mit den Rädern in dem Zwischenraum hängen?“, fragt die SPD-Frau und blickt etwas unruhig auf den Spalt zwischen S-Bahn und Bahnsteig. Sie sitzt das erste Mal in ihrem Leben länger in einem Rollstuhl und ist froh, es einigermaßen gut über einige „Stolperfallen“ in die Stadt geschafft zu haben. „Einfach ein bisschen Schwung holen und den Rollstuhl leicht nach hinten kippen, sodass die Vorderreifen hochkommen“, erklärt Rudolf Bamberger. Plötzlich hängt Yildirim in einer Steinspalte fest. Für sie ist das nicht allzu schlimm. Sie setzt kurz den Fuß auf und wuchtet den Rollstuhl aus der Spalte. „Für einen Menschen mit Gehbehinderung ist das hingegen keine Option. Er sitzt fest und braucht wahrscheinlich Hilfe“, so Yildirim.


Finanzielle Anreize nicht effektiv

Sie merkt, dass sie als Rollstuhlfahrerin deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält. Gleichzeitig ist die Hilfsbereitschaft und die Rücksichtnahme der Leute hoch. „Überall machen sie für einen Platz oder bieten Hilfe an. Es fühlt sich gut an zu wissen, dass unsere Gesellschaft auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen acht gibt“, betont die Kandidatin. Auf dem Weg zum Schlossplatz erklärt Bamberger, dass oft Behindertenparkplätze zugeparkt sind von Nichtbehinderten. Er fordert das Bußgeld dafür, wie in Spanien oder Frankreich auf 200 Euro zu erhöhen.

„Bei der Eingliederungshilfe seien die Maßnahmen nicht mehr passend“, betont er. Die Töpfe würden nicht genutzt und die finanziellen Anreize seien nicht effektiv. Die Betriebe hätten Angst vor dem verwaltungstechnischen Aufwand. Dafür müsse man neue und bessere Modelle finden, betont er. Zurück am Bahnhof Schwetzingen wollte die Gruppe um Yildirim und Bamberger die Tür der öffentlichen Toilette öffnen. Nichts ging – aber die Diskussion um Barrierefreiheit hätte sie sich auf die Fahnen geschrieben, betonte Yildirim zum Abschluss.

SZ 18.9.21